Smarte Plattform

ITS-Studierende entwickeln neue Plattform zur Analyse des eigenen Stromverbrauchsprofils

Eine Person verbraucht im Jahr durchschnittlich 2.034 Kilowattstunden Strom1. Damit könnte man mit einem Elektroauto von Salzburg bis nach New York und wieder zurück fahren. Das würde ebenso einem finanziellen Aufwand von bis zu 500 Euro – je nach Tarif – entsprechen.

„Diese Energiemenge entspricht CO2-Emissionen von rund 50 Kilo pro Jahr auf Basis des Strommix von Privat OK der Salzburg AG“, sagt Philipp Mattle von der Salzburg Netz GmbH, einem Tochterunternehmen der Salzburg AG. Rein nach dem indianischen Sprichwort: „Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen“ legt der Salzburger Stromverbraucher viel Wert auf Nachhaltigkeit. Deshalb haben ITS-Studierende in Kooperation mit der Salzburg AG die technische Basis für eine neue Plattform geschaffen, mit der jede beziehungsweise jeder einzelne seinen eigenen Stromverbrauch im Auge behalten kann.

„Um eine Gesamtübersicht aller Informationen zu ermöglichen, mussten wir zuerst eine einheitliche Schnittstelle schaffen, da die Salzburg AG zur Abspeicherung von verschiedenen kundenspezifischen Daten mehrere unterschiedliche Datenbanken verwendet“, sagt Masterstudent Fabian Knirsch, der gemeinsam mit seinen Kollegen Oliver Langthaler und Felix Moser das innovative Projekt umgesetzt hat. Die Herausforderung besteht vor allem darin, nicht einheitlich formatierte Daten aus unterschiedlichen Quellen und Strukturen abzufragen, zusammenzufassen und aufzuwerten. Hierfür nutzen die Studierenden ihre eigens entwickelte Software „Cappatec Core Engine“, die als Prozess- und Applikationsserver dient. Als einheitliche Schnittstelle wird das ebenfalls selbst entwickelte RxXML2 verwendet, auch SOAP wird unterstützt. Langthaler: „Wir sind gerade dabei, die Firma Cappatec zu gründen und sind begeistert, unsere Core Engine als zentrale Komponente im Projekt einsetzen zu können“.

Zugriffsberechtigungen

Die Masterstudierenden haben sich weiters in der Konzeption und Entwicklung der Infrastruktur stark mit dem Thema Zugriffsberechtigungen auseinander gesetzt. Sie haben dafür ein System zum Management der Zugriffsrechte in die Plattform integriert. Mittels individueller Authentifizierung jedes Benutzers kann gewährleistet werden, dass nur Berechtigte auf personenbezogene Daten zugreifen dürfen. Moser: „Berechtigte sind natürlich die einzelnen Verbraucher. In Zukunft beispielsweise könnten dies jedoch auch Betreuungspersonen für ältere Menschen sein“. Durch Abweichungen im normalen Stromverbrauchsprofil könnten sie eventuelle Notsituationen erkennen. Betreut wurde das Projekt von den ITS-Forschern Dominik Engel und Armin Veichtlbauer, die sich im Rahmen des Josef-Ressel-Zentrums für Anwenderorientierte Smart Grid Privacy, Sicherheit und Steuerung unter anderem mit dem Schutz der Privatsphäre in intelligenten Energiesystemen beschäftigen.

Nutzerfreundliche Oberfläche

Unterstützung zur Gestaltung einer nutzerfreundlichen Oberfläche erhielten die ITS-Studierenden durch den belgischen Austauschstudenten Robin Geraerts von der Hogeschool-Universiteit in Brüssel. Benutzer können dadurch einfach und grafisch anschaulich ihr Stromverbrauchsprofil verfolgen.    

 

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1 Statistik Austria: Energiebilanz 2011, Berechnungen Österreichische Energieagentur

2 F. Knirsch and O. Langthaler. (2013, Feb.)
Cappatec Core Engine RxXML Specification. Zugriff: 06.06.2013. [Online]. Verfügbar: www.cappatec.com/home/res/Cappatec_RxXML_02_13.pdf

  • SmartWebGrid: Die nuterfreundliche Oberfläche zeigt beispielsweise die CO2-Einsparungen jedes Benutzers.